Das Thüringer Salonquintett

 



Die Wurzeln des Thüringer Salonquintetts lassen sich bis ins Jahr 1974 zurückverfolgen, als der Konzertmeister Herbert Voigt das Herbert Voigt Orchester gründete. Um genau zu sein: Es war ein sehr kleines Orchester, ein Quintett in der klassischen Kaffeehausmusik-Besetzung mit zwei Violinen, Violoncello, Kontrabass und Klavier. Das auf authentische Wiedergabe des ausgesprochen reichen Repertoires, welches in den mitteleuropäischen Kaffeehäusern entwickelt und gepflegt wurde, spezialisierte Quintett machte sich im östlichen Teil Deutschlands schnell einen Namen. Der Pianist Rainer Eichhorn gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Ensembles. 1980 trat Egbert Funda als zweiter Violinist in die Gruppe ein, 1986 Georg Fritzsch als Cellist.

1989 geschah das Unerwartete: Die Mauer fiel, und Deutschland sowie Europa erlebten Umwälzungen sondergleichen. So kam schließlich auch zum Beitritt des amerikanischen Kontrabassisten Peter Nelson zum Quintett. Nachdem sich Herbert Voigt 1995 in den Ruhstand verabschiedete, wurde Andreas Hartmann, einer der besten Violinisten seiner Generation, als "Stehgeiger" verpflichtet. Gleichzeitig änderte man den Namen des Ensembles in Thüringer Salonquintett. Seit dieser Zeit verfeinert das Quintett sein Repertoire stetig, dehnt aber auch seine Grenzen aus.

1999 war ein sehr bedeutsames Jahr für die Formation, denn sie ging zum ersten Mal auf USA-Tour, wobei sie u. a. in der Carnegie Hall in New York City sowie bei Martin Goldsmiths "Performance Today" im Studio 4A des National Public Radio-Stammhauses in Washington, D.C. gastierte. Seitdem spielte das Quintett knapp 300 Konzerte in den USA. Im Jahr 2001 waren die "Thüringer" erstmalig in Kanada. In 2003 folgte die erste Einladung nach China.

Die Mitglieder des Thüringer Salonquintetts:

Andreas Hartmann wurde 1960 in Halle geboren. Nach einer ersten musikalischen Ausbildung an der Musikschule und der Spezialmusikschule Halle/Saale nahm er 1977 das Studium an der Hochschule für Musik "Franz Liszt" Weimar bei Prof. Jost Witter auf. Nach dem Examen und einer zweijährigen Aspirantur wurde Andreas Hartmann 1984 als erster Konzertmeister an das Große Rundfunkorchester Leipzig engagiert. 1990 übernahm er die gleiche Position am Rundfunk-Sinfonieorchester Leipzig (heute Sinfonieorchester des Mitteldeutschen Rundfunks). Nach der erfolgreichen Teilnahme an verschiedenen internationalen Wettbewerben, so z.B. 1980 am Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb, 1982 am Internationalen Tschaikowski-Wettbewerb Moskau, führten ihn Konzertreisen und Meisterkurse bisher in fast alle europäischen Länder sowie in die USA. Als Solist liegen zahlreiche CD-Einspielungen vor.

Egbert Funda wurde 1957 in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) geboren. Musisch begabt, erhielt er an der dort ansässigen Musikschule seinen ersten Violinunterricht, später auch im Klavier und Orgelspiel. 1974 - 1980 Studium an der Hochschule für Musik "Franz Liszt" in Weimar bei Dozent Siegfried Wengert, Kammermusik bei Professor Helmut Pfeuffer. Seit 1980 - Verpflichtung zum Vorspieler der 1. Violinen am Philharmonischen Orchester in Gera. Rege kammermusikalische Konzerttätigkeit in verschiedenen Besetzungen (u. a. mit dem Reußischen Kammerorchester Gera) führten durch Deutschland und ins Ausland. CD - Aufnahmen mit verschiedenen Instrumentalensembles in Leipzig und Gera.

Bevor er sich dem Dirigieren widmete, begann Georg Fritzsch zunächst ein Violoncello-Studium an der Hochschule für Musik "Carl Maria von Weber" in Dresden. Prägend für ihn sollten darauf die Jahre 1984 bis 1988 werden, in denen er als Substitut und später als ständige Aushilfe bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden zahlreiche Erfahrungen für seinen weiteren musikalischen Werdegang sammeln konnte. Nach dem Violoncellostudium folgte ein Engagement als Solocellist beim Philharmonischen Orchester Gera, parallel dazu begann Georg Fritzsch sein Dirigierstudium in Dresden und Leipzig. In diese Zeit fällt auch die entscheidende Begegnung mit Heinz Rögner, der als herausragende Dirigenten- und Lehrerpersönlichkeit seiner Zeit Georg Fritzsch entscheidend beeinflussen sollte und mit dem ihn bis zu dessen Tod eine intensive künstlerische Freundschaft verband. 1991 ging Georg Fritzsch als Preisträger des Deutschen Dirigentenforums in Halle hervor, 1993 erhielt er das Stipendium der Herbert-von-Karajan-Stiftung. Zwischen 1996 und 1998 arbeitete er als ständiger Gastdirigent mit dem Philharmonischen Orchester Gera, der Thüringen Philharmonie Suhl und dem Philharmonischen Staatsorchester Halle. 1998 folgte schließlich seine Berufung als Generalmusikdirektor des Philharmonischen Orchesters Südwestfalen und der Stadt Hagen sowie als Musikalischer Oberleiter des Theaters Hagen. Diese Position hatte er bis zur Spielzeit 2002 | 2003 inne. Seit Beginn der Spielzeit 2003 | 2004 ist Georg Fritzsch Generalmusikdirektor der Landeshauptstadt Kiel. In den letzten Jahren gastierte Georg Fritzsch u. a. in der Schweiz, den Niederlanden, in Belgien, Korea, Italien, Israel, den USA, Südafrika, Estland und in der Türkei. Er stand am Pult der Sächsischen Staatskapelle Dresden, der Dresdner Philharmonie, des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin, des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin, des Gürzenich Orchesters Köln, der Staatskapelle Weimar, der Stuttgarter Philharmoniker und der Hamburger wie auch der Münchner Symphoniker. Darüber hinaus wurde er zum Radio-Symphonieorchester Basel, zur Königlichen Philharmonie Flanderns Antwerpen und zum National Symphony Orchestra Johannesburg eingeladen. In Dublin war er am dortigen Opernhaus mit Verdis "Don Carlos" zu hören, er dirigierte beim Woodstock-Mozart-Festival (USA), an der Staatsoper Hannover sowie an der Deutschen Oper am Rhein.

Weitere Gastverpflichtungen führten Georg Fritzsch 2006 mit Puccinis "La Bohème" und "Madama Butterfly"mehrfach an die Dresdner Semperoper, wo er auch mit "Carmen" zu erleben sein wird. CD- und Rundfunkproduktionen liegen u. a. mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin bei BMG, mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin für DeutschlandRadio und mit der Nordwestdeutschen Philharmonie Herford und der Philharmonia Hungarica für den WDR vor. Jüngste Einspielung ist ein Live Mitschnitt Mahlers 6. Sinfonie mit dem Philharmonischen Orchester Kiel.

Neben seinen zahlreichen Verpflichtungen als Dirigent legt Georg Fritzsch auch großen Wert auf die Förderung des künstlerischen Nachwuchses. So hatte er von 1999 bis 2003 eine Professur für Dirigieren an der Musikhochschule Tilburg in den Niederlanden inne und leitet seit 2003 einen Dirigierkurs des Dirigentenforums des Deutschen Musikrats.

Peter Nelson wurde 1962 in Greenville, South Carolina (USA) geboren. Nach einem Gitarrenstudium wechselte er während seiner Zeit als Gymnasiast in Richardson, Texas, das Instrument und konzentrierte seine Studien auf das Kontrabassspiel. 1985 machte er sein Abschlussexamen als Kontrabassist am New England Conservatory of Music in Boston, wo er bei Lawrence Wolfe studierte. Seit 1986 lebt Peter Nelson in Deutschland. Im Jahr 1991 erhielt er ein Engagement als Solo-Kontrabassist beim Philharmonischen Orchester Gera. Seitdem ist er außerdem Solo-Bassist des Reussischen Kammerorchesters.

Peter Nelson konzertiert in ganz Europa, China, Kanada und den USA. Neben seiner ständigen Arbeit als Orchestermusiker ist er ein gefragter Solist und Kammermusiker und wird als Jurymitglied bei Wettbewerben geschätzt. Peter Nelson spielt auf einen Kontrabass von ca. 1859, erbaut in Paris von Gand und Bernardel.

Geburtsort von Johannes Rainer Eichhorn ist Ebersbach in Sachsen. Seine musikalische Ausbildung erhielt der Musiker am Konservatorium in Zwickau und an der Musikhochschule "Felix Mendelssohn Bartholdy" Leipzig.

Sein Staatsexamen legte Rainer Eichhorn 1964 im Fach Pauken/Schlagzeug und 1971 im Fach Dirigieren ab. Er begann seine Laufbahn als Kapellmeister an den Bühnen der Stadt Gera. Gastdirigate führten ihn u. a. an die Philharmonie Jena, zum Leipziger Rundfunk und verschiedene Theater. Als Pianist und Liedbegleiter trat er kammermusikalisch mit großem Erfolg in Erscheinung.